02 - Gustav Albert Lortzing - Die Jugend- und erste Schaffenszeit.

Wie auf dem Feld nur die Frucht gedeiht,
Wenn sie Sonne und Regen hat,
Also die Thaten des Menschen nur,
Wenn er Glück und Segen hat.
Mirza Shaffy.

Die Jugend- und erste Schaffenszeit.

1801-1833


Ein lebhaftes Interesse für die dramatische Kunst hatte zu Ende vorvorigen Jahrhunderts in Berlin zwei junge Leute, den Lederhändler Johann Gottlob Lortzing und Charlotte Sophie Seidel zusammengeführt: zuerst auf dem Liebhabertheater Urania zu Berlin, dann aber, als die Gleichartigkeit des Interesses die beiderseitige Zuneigung gefördert und gefestigt hatte, 1799 vor dem Altar. Bald nach der Hochzeit betrieben die Eheleute das Ledergeschäft in der Breitenstraße nur noch lau, gaben es später, allerdings durch den Druck der politisch trüben Zeit gezwungen, gänzlich auf und widmeten sich ausschließlich dem Schauspielerstande: er ergriff das Liebhaberfach, während sie zur Soubrette hervorragend befähigt war.

Am 23. Oktober 1801 (nicht 1803) wurde ihnen ein Sohn, Gustav Albert geboren. Es folgt hier der Auszug aus dem Kirchenbuche der Berliner St. Petrikirche:

Geboren am 23. Oktober 1801, Nachmittags 5 Uhr.
Getauft den 29. November 1801 im Hause.
Vater: Herr Johann Gottlob Lortzing, Lederhändler
Mutter: Frau Charlotte Sophie Seideln
Kind: Gustav Alberth.
Pathen: Madame Lortzing, Herr Friedrich Lortzing, Madame Lortzing, Herr Buchhändler Barbjie, Madame Lagarde, Herr Ferdinand Schmidt, Graveur.

Der Pate Johann Friedrich Lortzing war der von 1805 ab unter Goethe bekannte Schauspieler, desse Gattin Beater 1805 ebenfalls von Goethe nach Weimar engagiert wurde, wie auch später die Tochter beider, Karoline Lortzing; die beiden Patinnen Madames Lortzing waren die Großmutter und die Tante des Täuflings.

Der Ahnherr der Familie Lortzing, der älteste des Namens, vin dem wir wissen, Hans Lortzing, geboren 1630, war als “Meister Hans” Scharfrichter zu Kahla und vererbte sein schauerliches Amt auf Sohn und Enkel.

Gustav Albert, der spätere Komponist, blieb das einzige Kind seiner in musterhafter Ehe lebenden Eltern, nachdem ihnen ein älteres Töchterchen Namens Albertine im elften Lebensjahre gestorben war. Begleitet von künstlerischem Frohsinn und der heiteren Hingabe an lebensprudelnde Melodien und Harmonien wuchs Albert unter sorgsamer Pflege der Eltern heran: was Wunder daher, daß auch in ihm sich bald nicht nur eine kräftige Neigung, sondern sehr frühzeitig auch ein schönes Talentfür die heitere Muse der Musik und des Theaters zeigte. Er spielte frühzeitig Kinderrollen in der “Urania”, dessen Vorstand sein Vater war. Eine tüchtige Schulbildung ging mit der Ausbildung seiner musikalischen Fähigkeiten Hand in Hand. In seinen späteren Briefen finden sich oft lateinische und französische Einschiebsel und beweist dies mit seiner operndichterischen Thätigkeit eine gute Wissensgrundlage. Klavierspiel, Violine und Cello wurden fleißig geübt unter der Leitung des durch seine herrlichen Oratorien in weiteren Kreisen bekannten Professors Friedrich Rungenhagen, Komponisten der Oper: “Der Eremit auf Formentera”, damals Direktor der Berliner Singakademie.

Ende 1811siedelten die Eltern, gezwungen durch die trüben unsichern Zeitläufte, mit dem zehnjährigen Albert in ein erste Engagement nach Breslau über, wo der Vater den 4. Januar 1812 zum erstenmal auftrat. Der eifrig gepflegte Wissensdrang Alberts erlitt auch durch die bald folgenden Wanderjahre nur geringe Unterbrechungen. Der Knabe, der ab und zu auch wieder in kleineren Kinderrollen mit auftreten mußte, erhielt gleichwohl, oft unter den größten Entbehrungen der braven Eltern, seinen Unterricht fort und zeigte bei aller Anlage zu dem von der Mutter geerbten lebhaften Humor dennoch einen entschiedenen nachhaltigen Fleiß. Vortreffliche Vorbilder in Theater un Musik traten ihm dort nahe: Ludwig Devrient, der große Charakterdarsteller und Humorist; der Liebhaber und spätere Lustspielschriftsteller Karl Töpfer, der Lortzing auf der Gitarre unterrichtete und der Komponist G. Bierey.

Das Breslauer Engagement war bis Juli 1812 nur von kurzer Dauer, denn schon im April 1813 befand sich die Familie Lortzing in Koburg, beim Theaterdirektor Hain, genannt Hellwig, wo der kleine Lortzing Kinderrollen spielte. Die Familie Lortzing litt große Not und oft sagte Frau Dietz, ihre gutherzige Hauswirtin beim Mittagsmahl am Familientisch: “Ich darf nicht vergessen, den armen Lortzings etwas hinauf zu bringen, denn da oben ist ja Schmalhans Küchenmeister.” Leider sollte es bei Lortzing durch sein ganzes Leben so bestellt bleiben.

Von Koburg wanderte die Familie weiter nach Bamberg und hier wurde wohl die Aufmerksamkeit des jungen Lortzing zum erstenmal auf den Undinenstoff hingelenkt, denn in Bamberg entstand damals die erste Oper: “Undine” vom Kammergerichtsrat Ernst Theodor (Amadeus; eigentlich Wilhelm) Hoffmann, dem bekannten späteren Zechgenossen Ludwig Devrients. Der Märchendichter de la Motte Fouqué hatte selbst das Buch geliefert und aus der Feder Karl Marias von Weber ist ein sehr bemerkenswertes Lob über den musikalischen Wert der Oper bekannt. Sie wurde den 3. August 1816 am Hoftheater zu Berlin gegeben und leider ging das gesamte Notenmaterial später bei dem Brande des Königlichen Opernhauses im Jahre 1843 zu Grunde, so daß von dem Werke Hoffmanns nur einige Textbücher erhalten blieben.

Im Jahre 1814 folgte die Familie Lortzing ihrem Bamberger Direktor Lichtenstein, dem bekannten Übersetzer mit der naiven Titelform, nach Straßburg i. F., wo Lichtenstein seine Czaarenoper: “Frauenwert, oder der Kaiser als Zimmermann”komponierte, die dem jungen Lortzing wohl die erste Bekanntschaft mit dem Czaarenstoff vermittelte, den er später in so gewinnender sieghafter Weise darbieten sollte.

Nach dem Ruin Lichtensteins wandten sich Lortzings nach Freiburg i. Br. und Baden-Baden und der kleine Albert kleine Albert mußte sich nicht nur in Kinderrollen neben den Eltern nützlich machen, sondern auch in den Zwischenakten humoristische Gedichte vortragen. Die Notjahre von 1816 und 1817 trafen auch die Lortzingsche Familie hart und es kam oft vor, daß sie dann hinausgingen und auf einsamen Wegen ihr karges Mittagessen: ein Stück trocknes Brot verzehrten. Da half auch der Kleine die Not lindern; emsig schrieb er Noten und brachte die wenigen Groschen seinen über alles geliebten Eltern. “So, Papachen,” waren einst seine Worte, “heute müßt ihr wieder einmal etwas Warmes essen.” Die Musik wurde jedoch dabei nicht vernachlässigt, vielmehr übte er sich in der Komposition, im Klavier-, Cello- und Violinspiel weiter.

Solche Verhältnisse reisten bald eine große Selbständigkeit seines inneren Menschen. So war Albert Lortzing von 1817 bis 1822 zumjungen Manne gereift, als Schauspieler und Tenorist, ohne eigentliche ausgeprägte Stimme, aber mit seinen musikalischen Kenntnissen und Talenten stets in der Oper verwendbar, zuletzt in Düsseldorf, Aachen und Köln unter Direktor Derossi thätig. Sein angenehmes und liebenswürdigeinnehmendes Außere, seine hervorragnde Begabung zur Komik, seine ziemlich umganfreiche Kenntnisse in der Musik machten ihn für Oper, Singspiel und Operette zu einer schätzenswerten Kraft. Seine schlanke Mittelfigur mit den braunlockigen Haaren, mit dem freundlichen Angesicht, welches von dunkeln, gutmütig-schelmisch blinkenden Augen froh belebt war, sein gewandtes Wesen voll Heiterkeit und Laune, seine ganze gefällige Art und Weise machten im Leben wie auf der Bühne den angenehmsten Eindruck.

Um diese Zeit hatte die Liebe sein Herz berührt. Derossis erste Liebhaberin, eine junge Schwäbin, Rosine Regine Ahles, den 5. Dezember 1800 zu Bietigheim bei Stuttgart geboren, hatte es ihm mit ihrer Jugend und Frische angethan. Das Streben nach baldiger Vereinigung veranlaßte die junge Braut im Juni und Juli 1821 zu einem Gastspiel auf Engagement in Braunschweig. Nach dem leider ergebnislos verlaugenen Auftreten in der Welsenresidenz nahmen Lortzings und Demoiselle Ahles Stellung bei Direktor Ringelhardt an, der seit 1820 die Leitung des Kölner Stadttheaters übernomen hatte. Dieser Mann, gleich vorzüglich als Künstler wie als Mensch, erkannte bei Lortzings Gastspiel an seiner Bühne sofort die hervorragende Begabung des jungen Mannes und fesselte ihn, sowie seine Eltern an sein Institut.

In Köln verheiratete sich Albert den 30. Januar 1823 in seinem zweiundzwanzigsten Lebensjahre mit seinem geliebten Röschen,mit welcher er in der glücklichsten Ehe bis zu seinem frühen Tode lebte. Elf Kinder, zweimal Zwillinge, waren der Quell seiner Liebe und seiner beständigen Sorgen. Das ruhigere Leben, welches nunmehr an die Stelle des früheren unsteten Wanderns trat, gewährte Lortzing wieder genügende Muse, dem Studium der Musik obzuliegen.

Er trat alsbald mit einigen Liedern, Märschen und Entrakten eigener Komposition hervor und schrieb im Jahre 1824 seine erste kleine Oper: “Ali Pascha von Janina”, welche zu Münster den 1. Februar 1828 unter großem Beifall aufgeführt wurde.

In Aachen, dessen Theater mit Köln verbunden war, vollzog er 1826 seinen Eintritt in die Freimaurerloge “Beständigkeit und Eintracht” und blieb er Zeitlebens ein getreuer Freimaurer.

Von Detmold aus, wo Fürst Paul Alexander ein schönes Theater hatte erbauen lassen, wurde die Aufmerksamkeit auf Lortzings gelenkt, ein Engagement des Ehepaars kam unter sehr günstigen Bedingungen zustande und den 3. November 1826 siedelten Lortzing und Frau, zum erstenmal von seinen Eltern, die in Köln zurückblieben, getrennt, an das Hoftheater nach Detmold über. Die Trennung war aber nur eine räumliche; geistig verkehrten sie ununterbrochen in der herzlichsten Weise miteinander. Seine Anstrengungen, auch sie ins Detmolder Engagement zu bringen, waren ja leider vergeblich. Von inniger Liebe und reinster kindlicher Verehrung legen die Briefe Zeugnis ab, die er von Detmold, Münster, Osnabrück und Pyrmont aus, wo das Hoftheater ebenfalls Vorstellungen gab, an seine Eltern schrieb, Briefe, die – die Jahre 1826 bis 1835 umfassend – um so wertvoller sind, als sie die einzigen von Lortzings eigener Hand stammenden Dokumente ausmachen, welche über seine Lebensschicksale während dieser Zeit Auskunft geben. Hier spricht er sich offen aus, hier läßt er seine Eltern in sein Herz blicken, das – schon hier! – so oft erfüllt war von Schmerz über die Dünkelhaftigkeit eines schwer zu befriedigenden Publikums, über den häufigen Mangel an künstlerischer Einsicht bei seinen Vorgesetzten und über Unzuträglichkeiten, die der Mangel an den nötigen Mitteln selbst an einem fürstlichen Hoftheater mit sich brachte. Auch seine persönlichen Einnahmen konnten den Ansprüchen seiner inzwischen größer gewordenen Familie nicht mehr genügen: Gastspiele und Konzerte mußten die kleinen Einnahmen aufbessern.

So benutzte er seinen ersten Urlaub zu einem Gstspiel am Stadtheater zu Hamburg, trat dort den 12. Juli 1827 als “Carl von Ruf” in der “Schachmaschine” auf, spielte später noch den “Don Carlos” und den “Grafen Werthen” und hätte auch dort ein Engagement angenommen, welches aber nicht zustande kam.

Das nächste Jahr brachte am 1. Februar 1828 zu Münster die Urauführung seiner ersten Oper: “Ali Pascha von Janina” wie schon vorher erwähnt.

In jener harmlos fröhlichen Zeit enstand auch zum 24. Mai 1828 für Münster sein zweites Bühnenmusikwerk: “Das Hochfeuer oder Die Veteranen”, lyrisches Spiel in einem Aufzug von Doktor Sachs. Buch und Musik sind verloren gegangen.

Am 15. November 1828 führte er zu Münster sein drittes größeres Musikwerk, sein Oratorium “Die Himmelfahrt Christi” auf, welches jedoch obgleich es großen Beifall fand, Lortzing nicht zu weiteren Arbeiten auf dem kirchlichen Gebiete veranlassen konnte. Er sagte sich doch in richtiger Erkenntnis seiner eigenartigen Begabung, daß sein Gebiet das des frischen kräftigen Humors und des lebendigen Volkstones sei.

Seine freundschaftlichen Beziehungen zu dem litterarischen Kraftgenie Christian Dietrich Grabbe veranlaßten ihn auch bald zu seinem vierten Bühnenmusikwerk. Es war die melodramatische und verbindende Musik zu der bekannten vieraktigen Tragödie: “Don Juan und Faust”, welche den 29. März 1829 zum erstenmal in Detmold vorgeführt wurde.

Es darf auch hier erwähnt worden daß Lortzing später (1849) zum zweiten Teil von Goethes “Faust” die “Chöre der himmlischen Heerschar” und “Lynkeus Turmlied” in Musik setzte.

Ein Gastspiel in Köln vom 22. Mai bis 6. Juni 1829 vereinigte Lortzing auf kurze Zeit mit seinen Eltern.

Sein nächstes fünftes Bühnenmusikwerk war eine völlige Umgestaltung der dreiaktigen Oper “Die Jagd” von Johann Adam Hiller; sie wurde zum erstenmal den 20. November 1830 zu Osnabrück, den 19. Dezember 1830 zu Detmold gegeben. Lortzing sagt in seinem eigenen Bericht: “Nicht ein Takt, geschweige denn eine ganze Nummer passen zur alten Partitur; auch sind viele Gesangsstücke von mir neu hinzukomponiert und dafür andere durchaus ungenießbare weggestrichen”.

Vom 27. Mai bis 7. Juni 1830 gastierte Lortzing in Mannheim und obgleich er vollen Erfolg erzielte, so kam es auch hier zu keinem Engagement, weil kein Raum war für Lortzings Frau und sich dadurch seine Bezüge gegen Detmold bedeutend verringert hätten.

Sein nächstes sechstes Bühnenmusikwerk kam den 30. Juni 1832 in Pyrmont zur Uraufführung. Es war die melodramatischen und verbindende Musik zu “Yelva”, Schauspiel in zwei Aufzügen nach Eugène Scribe von Theodor Hell (Hofrat Winkler). Da C.G. Reissigers Komposition aus dem Jahre 1827 mit diesem Werke unertrennlich blieb, so kam Lortzings Musik niemals außerhalb seines damaligen Wirkungskreises zur Geltung. Der Komponist benutzte ausschließlich fremde Melodien; nur die Ouverture ist Original.

Mit richtigem Blick wandte sich nun Lortzing einem Gedanken zu, der bei dem unter einem mächtigen Freiheitsrausch stehenden Europa einen gewaltigen Wiederhall fand. Die Selbständigkeitsbestrebungen der russischen Polen: die Verjagung des Großfürsten Konstantin aus Warschau, die hierauf folgende Ausschließung des Hauses Romanow vom polnischen Thron, die für Polen siegreiche Schlacht bei Grochow, ihre Niederlage bei Ostrolenka, sowie schließlich die mit dem Mut der Verzweiflung ausgefochtenen mörderischen Kämpfe am 6. und 7. September 1831 um Warschau – alle diese in kurzer Zeitfolge sich drängenden Ereignisse gewannen dem bedrückten Volke die Sympathien des ganzen damaligen Europa und dieser Umstand allein sicherte dem siebenten Bühnenmusikwerke Lortzings: “Der Pole und sein Kind”, Liederspiel in einem Aufzug, von seiner Uraufführung in Osnabrück, den 11. Oktober 1832 ab die weiteste Verbreitung und den unbedingtesten Erfolg. Das vierte Regiment der Polen, welches sich in jenen Kämpfen durch unglaubliche Heldenthaten hervorgethan hat, wurde durch Lortzing in einem rührenden Liede gefeiert; dieses, sowie das den Schluß bildende Nationallied der Polen brachte auf die Zuhörer eine solche Wirkung hervor, daß Lortzing unterm 4 Januar 1833 selbst an seine Eltern schrieb: “Ich habe noch nie so viele Thränen fließen sehen, als bei der Aufführung dieses kleinen Stückes.” Zwar wurde es am 13. November 1832 in Münster und am 17. Juli 1833 in Berlin von der Censur gestrichen, doch trug dies, wie es ja bei allen derartigen obrigkeitlichen Verboten zu geschehen pflegt, nur dazu bei, den Enthusiasmus für das Stück sowohl, als auch für die Polensache zu erhöhen. Die Partitur enthält neun Gesangsnummern, welche fremden Werken entnommen sind; nur das “Lied von vierten Regiment” ist eigene Komposition Lortzings.

Vom “Polen” ab schrieb Lortzing die Bücher zu seinen Bühnenwerken fast ausschließlich selbst.

Über ein achtes kleineres Bühnenwerk berichtet Lortzing an seine Eltern unterm 4. Januar 1833: “Übrigens habe ich schon wieder ein Vaudeville vom Stapel laufen lassen, welches einen gleichen Erfolg hatte wie der “Pole”, wenngleich es bei weitem nicht so interessiert, da es bloß von launigen Familienscenen handelt; es heißt: “Der Weihnachtsabend.” Es wurde, wie es scheint, nur den 21. Dezember 1832 in Münster aufgeführt und trat mit seiner entlehnten, fast nur Mozart angehörigen Musik in den Hintergrund, als Lortzing bald mit größeren Schöpfungen das öffentliche Interesse auf sich zog.

Wie der “Pole”, so war auch seine neunte, gleichfalls noch 1832 erschienene Bühnenkomposition dem Volksinteresse abgelauscht. Gerade in jener Zeit, welche mit unmittelbarer Frische auf die lebensschicksale und Schöpfungen der drei ersten Heroen jenes klassischen Zeitalters der Musik zurückblickte, war das Interesse und Verständnis für den volkstümlicheren Mozart dem deutschen Volke näher gerückt worden. Das Leben diesesMannes dem kunstverständigen Publikum vor Augen zu führen war also die nächste Aufgabe, der Lortzing in seinen “Scenen aus Mozarts Leben” sich widmete. Dieses einaktige Singspiel soll niemals zur Aufführung gekommen sein,nur die Partitur ist noch vorhanden, selbst das Buch ging verloren. Wiederum sind alle neun Nummern, ausschließlich der “Ouverture,” Mozarts Werken entnommen.

Noch im November 1832 schrieb Lortzing seinen Eltern von einer weiteren Bühnenkomposition, dem “Andreas Hofer.” Nochmals wie im “Polen” hatte der Komponist seinen Stoff einem unterdrückten Volk entlehnt, welches sich gegen seinen Tyrannen empörte. Die Partitur des “Hofer” ist fast ganz Lortzings geistiges Eigentum. Das patriotische Werk blieb zunächst unaufgeführt, denn die Wiener Censur verschloß ihm den Heimatboden, bis es am 14. April 1887 in einer Umarbeitung von Reznicek, dem Komponisten der “Donna Diana,” im Mainzer Stadttheater erschien.

Bis hierher reichte Lortzings erste Schaffensperiode. Nur in wenigen eigenen Werken, wie in seiner Oper “Ali Pascha von Janina” und in seinem Oratorium hatte er selbstthätiges Schaffen bewiesen. Er benützte bisher nach der Mode der Zeit hauptsächlich fremde Melodien, kräftigte allerdings daran seine Technik und übte sich, künstig seine Textbücher selbst zu verfassen.