{"id":163,"date":"2014-05-21T20:19:00","date_gmt":"2014-05-21T20:19:00","guid":{"rendered":"http:\/\/albertlortzing.org\/?page_id=163"},"modified":"2020-01-09T20:20:53","modified_gmt":"2020-01-09T20:20:53","slug":"06-gustav-albert-lortzing-undine","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/albertlortzing.org\/?page_id=163","title":{"rendered":"06 &#8211; Gustav Albert Lortzing &#8211; Undine"},"content":{"rendered":"\n<p>Undine.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der \u201cUndine\u201d und den \u201cRolandsknappen\u201d betrat Lortzing zum erstenmal den Boden der Romantik. Inhrer Vollendungszeit nach f\u00e4llt die \u201cUndine\u201d noch in die vom Gl\u00fcck beg\u00fcnstigte Periode seines Lebens. Wenn wir in Anbetracht der kurzen Abfassungszeit seiner \u00fcbrigen Opern uns vergegenw\u00e4rtigen, da\u00df die Fertigstellung dieser neuen Oper mehr als zweiundeinhalb Jahre in Anspruch genommen hatte, so k\u00f6nnen wir uns der \u00dcberzeugung nicht verschlie\u00dfen,da\u00df es wohl nicht blo\u00df die gro\u00dfe Arbeitslast, mancherlei Krankheitsf\u00e4lle, sowie die in dieser Zeit unternommenen Reisen waren, welche die Vollendung des Werkes so weit hinausschoben: er bedurfte wohl auch der Ausreifung f\u00fcr seine musikalische Entw\u00fcrf auf diesem bisher noch nicht betretenen Gebiet, bedurfte wohl der Sammlung, um auch jene tieferen Saiten seines Gem\u00fctslebens simmungsvoll erklingen zu lassen. Hier mu\u00dfte jene \u00dcbereilung, deren nachteilige Folgen in seinen ersten gr\u00f6\u00dferen Werken nur seine ausgezeichnete Begabung zu verwischen vermochte, durchaus vermieden werden. Und so setzte der Komponist seine ganze Manneskraft ein zu dem gro\u00dfen Wurf, den die Behandlung eines solchen Stoffes f\u00fcr ihn bedeutete, er setzte sie ein und &#8211; traf das Ziel: der gro\u00dfe Versuch war gelungen. Lortzing, der auch hier wieder den Text selbst bearbeitete, war sich der Schwierigkeiten seiner Aufgabe wohl bewu\u00dft. Unterm 22. Juli 1843 schrieb er an Freund D\u00fcringer nach Mannheim: \u201cIch habe jetzt die Fouqu\u00e9sche* \u201cUndine\u201d unter meiner dichterischen Feder ud versuche sie zu einer romantischen Oper zu gestalten. Leider aber reichen hier meine Kr\u00e4fte nicht aus und ich mu\u00df mir einen ernsten Versmacher andchnallen, da der Text mehr tragisch wird.\u201d Der Direktor des Hamburger Stadttheaters, der von dem Buch Kenntnis erhalten hatte, erwarb f\u00fcr seine B\u00fchne das Recht der ersten Auff\u00fchrung unter des Komponisten eigener Leitung und schon anfangs Dezember 1844 kamen Lortzings Verleger, Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, darum ein, das Werk sogleich stechen zu d\u00fcrfen, damit der Klavierauszug gleichzeitig mit der ersten Auff\u00fchrung erschiene.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 15. M\u00e4rz 1845 wurde Lortzing von seiner Rosine mit seinem elften Kinde Hans, seinem \u201cBubi\u201d beschenkt. Als er am n\u00e4chsten Tage zur Eisenbahn eilen wollte, um nach Hamburg abzudampfen, erfuhr er, da\u00df M\u00fchldorfer in Mannheim mit den Dekorationen nicht fertig geworden sei, und die Auff\u00fchrung verschoben werden m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach mancherlei Verz\u00f6gerungen kam endlich Lortzing in der zweiten H\u00e4lfte des April 1845 in Hamburg an, auf das herzlichste empfangen vom Direktor Cornet und in st\u00fcrmishcer Weise begr\u00fc\u00dft von dem schon ganz f\u00fcr ihn gewonnenen Orchester. Am Abend des 25. April wurde er bei seinem Eintritt vom Publikum mit gro\u00dfem Applaus empfangen und erntete mit seiner Oper, deren musikalische Effekte durch die vorz\u00fcglichen M\u00fchldorferschen Dekorationen wesentlich unterst\u00fctzt wurden, trotz einer sehr m\u00e4\u00dfigen Auf\u00fchrung einen gl\u00e4nzenden Erfolg. Mehr aber, als dieser \u00e4u\u00dferliche Prunk galt ihm die bei der Auff\u00fchrung in seinem Innern entstandene Gewi\u00dfheit, da\u00df er auch auf diesem bisher noch nicht bebauten Gebiet etwas T\u00fcchtiges zu leisten imstande sei. Im Mai 1845 schrieb er seinem Freund D\u00fcringer: \u201cWas mir noch in keiner meiner Opern passierte, geschah hier; ich meine: als ich die Musik in Hamburg h\u00f6rte; ich wurde selbst \u00fcberrascht und hatte den Effekt von manchen Musikst\u00fccken nicht geahnt.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist der Lortzing-Forschung gelungen, festzustellen, da\u00df infolge von Vorkommnissen, die beim Theater so h\u00e4ufig sind, Hamburg auf den Ruhm verzichten mu\u00df, die Urauff\u00fchrungsst\u00e4tte der \u201cUndine\u201d gewesen zu sein. Magdeburg war Hamburg zuvorgekommen und am 21. April 1845 schon hatte Direktor Karl Beurer das achtzehnte B\u00fchnenmusikwerk Lortzings, die Oper \u201cUndine\u201d, zur Auff\u00fchrung gebracht. Die Oper machte wahrhaft Sensation, mehrere Nummern mu\u00dften wiederholt werden; schon am n\u00e4chsten Tage, den 22. April, wurde sie zum zweiten mal gegeben und fand dabei einen noch gesteigerten Beifall. Die Allgemeine Theater-Chronik, Verlag, Druck und Redaktion Sturm &amp; Koppe in Leipzig, brachte einen Bericht in Nr. 53 vom 30. April 1845. Die Magdeburgische Zeitung sagt \u00fcber jene Urauff\u00fchrung: \u201cMit Recht k\u00f6nnen wir stolz darauf sein, das neueste Werk eines unserer beliebtesten deutschen Komponisten fr\u00fcher noch als alle andern B\u00fchnen \u00fcber unsere Bretter schreiten zu sehen, zumal da die pekuni\u00e4ren Mittel unseres, als Privatunternehmen bestehenden Theaters so beschr\u00e4nkt sind, da\u00df sie denen des unbedeutendsten Hoftheaters nachstehen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>In kurzer Zeit erlebte \u201cUndine\u201d in Hamburg sieben Wiederholungen und in Magdeburg, wo die Ausstattung weit weniger prachtvoll und die Oper einzig auf ihren textlichen und musikalischen Inhalt angewiesen war, folgten der ersten Auff\u00fchrung in neun Tagen f\u00fcnf Wiederholungen. Seitdem ist die \u201cUndine\u201d auf dem Spielplan der deutschen B\u00fchne geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den poesievollen Gestalten der in harmloser Naivet\u00e4t und \u00e4therischer Feinheit erscheinenden Undine und des mild-w\u00fcrdevollen K\u00fchleborn, kommt auch der gutm\u00fctige Spa\u00df, die biderbe Sentimentalit\u00e4t durch die in burlesker Weinlaune auftretenden Zecher Veit und Hans zu voller Geltung. Die Musik, die weniger im einheitlichen Stil eines k\u00fcnstlerisch angelegten und durchdachten Kunstwerks gehalten ist, bildet vielmehr eine edle Perlenschnur reizender und seelenvoll ansprechender Weisen und erhebt sich mit h\u00f6chst beachtensweren instrumentalen Tonmalereien in einzelnen Nummern auf die H\u00f6he des gro\u00dfen Opernstils. Geradezu Hervorragendes leistet der Komponist im Ensemblesatz, sowie in den St\u00fccken, in welchen der romantische Charakter der Situationen eine entsprechende instrumentale Illustrierung n\u00f6tig machte. Den musikalischen H\u00f6hepunkt der Oper bildet das dritte Finale, welches durch Lortzings gem\u00fctvoll-innigen Zug, dessen Reiz durch das beigemischte romantische Element wesentlich erh\u00f6ht ist, ein wunderliebliches s\u00fc\u00dfmelancholisches Gepr\u00e4ge erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat nicht an solchen gefehlt, welche, in der richtigen Erkenntnis, da\u00df Lortzings besonderes Gebiet die musikalische Darstellung des Humors durch die komische Oper sei, hiermit seine F\u00e4higkeiten als begrenzt ansehen wollten und diesen ersten Schritt ins Romantische \u00fcberhaupt als eine Veriirung bezeichneten. Betrachten wir die Oper als das was sie ist, n\u00e4mlich als einen ersten versuch auf einem neuen Gebiet, so stellt sich die Sache schon anders, indem n\u00e4mlich unbedingt anerkannt werden mu\u00df, da\u00df Lortzint in seinem Werk au\u00dferordentlich viel Sch\u00f6nes, T\u00fcchtiges, ja in einzelnen Nummern sogar Hervorragendes geleistet hat; selbst der Neid mu\u00df ihm zugestehen, da\u00df die \u201cUndine\u201d den ersten Schritt zu einer tieferen und volleren Erfassung der Tonkunst darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Lortzing bis dahin noch fehlte, war die F\u00e4higkeit, das Pathetische, Hochleidenschaftliche mit kr\u00e4ftigen Strichen und in energischen Konturen zu illustrieren. Hier gebricht es ihm an Selbst\u00e4ndigkeit und jener freien Gestaltungskraft, gro\u00dfe Charaktere in markigen Z\u00fcgen plastisch hervortreten zu lassen. W\u00e4hrend die meisten seiner Lieder sich in jenem liebensw\u00fcrdigen und wohlklingenden Miniaturstil bewegen, erhebt er sich in den Ensembles\u00e4tzen der \u201cUndine\u201d zu einer H\u00f6he, die f\u00fcr die Zukunft zu den sch\u00f6nsten Hoffnungen berechtigte. Erinnern wir nur an das herrliche Quintett des ersten Aktes, das Quartett \u201cWas ergreift mit bangem Schrecken\u201d im zweiten Aufzug, sowie das vorerw\u00e4hnte, gro\u00df angelegte und vollkommen stilgerecht durchgef\u00fchrte Finale des dritten Aufzugs, das sich in seiner Wirkung noch stets und \u00fcberall gl\u00e4nzend bew\u00e4hrt hat und bew\u00e4hren wird. Ein tieferes Seelenleben klingt aus diesen S\u00e4tzen und der k\u00f6stliche Melodienreichtum l\u00e4\u00dft selbst neben blendenden Dekorationen und anziehenden Scenerien die eigentliche Wirkung der Musik nicht zur\u00fccktreten: gewi\u00df ein Beweis f\u00fcr die T\u00fcchtigkeit dieses Werkes und die Wahrheit seiner Musik. Und hier best\u00e4tigen sich so \u00fcberaus schmerzlich die Worte unseres Mottos. H\u00e4tten Gl\u00fcck und Segen ihn weiter gebleitet auf seinen Lebenswegen, so h\u00e4tte er sich in seinem gesunden Streben, das gerade durch die \u201cUndine\u201d so sch\u00f6n dokumentiert wird, gewi\u00df weiter getrieben gef\u00fchlt auf der Bahn k\u00fcnstlerischer Vollendung; er w\u00e4re durch Erweiterung und Vertiefung seiner theoretisch-wissenschaftlichen Kenntnisse seiner sch\u00f6nen und reichen Erfindungsgabe entgegengekommen und h\u00e4tte durch jene romantischen Bestrebungen hindurch seinen Genius heranreisen lassen k\u00f6nnen zu einem k\u00fcnstlerischen Sein h\u00f6herer Art. So stellt sich die \u201cUndine\u201d uns dar als ein gro\u00dfer Anlauf seines inneren Entwicklungstriebes auf eine h\u00f6here Stufe k\u00fcnstlerischen Schaffens; man kann demnach nicht sprechen von einer einseitigen Begabung Lortzings, sondern mu\u00df es tief bedauern, da\u00df der Tod und ein widriges Schicksal seine Entwicklung zu noch H\u00f6herem abgeschnitten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bemerkenswert sind die Einlagen zur &#8220;Undine&#8221;. Es m\u00f6gen die Ansichten dar\u00fcber auseinandergehen, ob es immer begr\u00fcndet war, diesem oder jenem Teil der Oper noch eine dankbare Nummer hinzuzuf\u00fcgen. Uns besh\u00e4ftigt hier nur die Thatsache.<\/p>\n\n\n\n<p>Vincenz Lachner war es, der schon kurze Zeit nach dem Entstehen der Oper drei Einlagen hinzukomponierte.<br>\n1) Chor mit kurzen Solostellen der beiden Fischersleute, welcher den Anfang der Oper bildet: &#8220;Des Himmels reichsten Segen!&#8221;<br>\n2) Auftritts-Arie der Bertalda im zweiten Aufzug; sie wird eingeleitet durch einen Jagdchor von Bertaldas vorausgehendem Gefolge, der, in die Arie \u00fcbergehend, auch sp\u00e4ter an derselben teilnimmt: &#8220;Wir kehren heim om frohen Jagen!<br>\n3) Introduktion und Arie des Hugo, womit der vierte Aufzug beginnt: &#8220;Wie ein Gespenst verfolget im kerzenhellen Saale!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Vincenz Lachner teilte in einer Zuschrift vom 31. Oktober 1889 \u00fcber die Entstehung der drei Nummern das folgende mit: &#8220;Nur auf dringendes Zureden des damaligen Oberregisseurs zu Mannheim, Philipp D\u00fcringer, bekanntlich Lortzings intimer Freund und Versifikator, lie\u00df ich mich zur Komposition dieser Einlagen bewegen, die f\u00fcr Mannheim geplant waren. Nr. 2 und besonders Nr. 3 hatten dort aber so entschiedenen Erfolg, da\u00df ich bald von ausw\u00e4rts um diese Kuckuckseier angegangen wurde. Nummer 3 wird \u00fcberall gesungen und bildet das Glanzst\u00fcck des sonst wenig bedachten Hugo. Die Arie der Bertalda erfordert eine stimmbegabte S\u00e4ngerin mit leidenschaftlichem Ausdruck. Wo dies nicht der Fall ist, bleibt sie besser weg. Nummer 1 wurde von den wenigsten B\u00fchnen aufgenommen. Die Frage nach dem Verfasser der Texte kann ich leider nicht mit voller Sicherheit beantworten. Philipp D\u00fcringer (geb. 1809 zu Mannheim, gest. den 12. Mai 1870 in Koburg) \u00fcbergab sie mir und er ist wohl auch deren Verfasser.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Ferdinand Gumbert komponierte die Einlage: Recitativ und Arioso des K\u00fchleborn zum zweiten Akt: &#8220;Neapels Abgesandter nah sich dieser Stadt!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Ferdinand Gumbert wurde zu seiner Undinen-Einlage im jahre 1851 durch den S\u00e4nger Ueberhorst, damals unter Direktor Deichmann Bariton am Friedrich-Wilhelmst\u00e4dtischen Theater in Berlin, veranla\u00dft, der f\u00fcr den &#8220;etwasstiefm\u00fctterlich bedachten&#8221; K\u00fchleborn noch eine dankbare Nummer w\u00fcnschte. Ueberhorst dichtete, da Gumbert die Oper noch nicht kannte, den Auftritt, nach welcher Dichtung Ferdinand Gumbert dann erfolgreich die Komposition ausarbeitete. Die Nummer ist ein integrierender Teil der Oper geworden, ebenso wie die Arie der Hugo von Vincenz Lachner.<\/p>\n\n\n\n<p>August Papst, damals Dramaturg am Stadttheater in K\u00f6nigsberg i. Pr., komponierte zu einer Dichtung von Rudolf v. Gottschall f\u00fcr den Part des Hans das &#8220;Lied an die Flasche,&#8221; welches in den dritten Aufzug der &#8220;Undine&#8221; eingef\u00fcgt ist: &#8220;Wenn ich sie von ferne sehe!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Direktor Woltersdorff w\u00fcnschte eine Einlage, da es der Oper an durchchlagenden Nummern fehle und das gab den Ansto\u00df zu dem Lied.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 30. April 1845 kehrte Lortzing von Hamburg, wo sein Gl\u00fccksstern zum letztenmal aufgeflackert war, nach Leipzig zur\u00fcck. Schon bei seiner Ankunft wartete seiner eine h\u00f6chst unangenehme \u00dcberraschung. Direktor Schmidt, welchem bedeutende Verluste alsbald die Augen ge\u00f6ffnet hatten und gegen den jetzt, was \u00d6konomie betraf, Ringelhardt ein Verschwender gewesen war, fing an, in der knauserigsten Weise zu sparen und diesen R\u00fccksichten mu\u00dfte der mit seiner Mutter im Etat etwas hochstehende Lortzing weichen Am 1. Mai 1845 bekam er seine K\u00fcndigung. An D\u00fcringer, dem er in schweren F\u00e4llen immer sein Leid zu klagen pflegte, schrieb er in jener Zeit: &#8220;Da\u00df mein Kollege Netzer gehen w\u00fcrde, war eine l\u00e4ngst bekannte Sache, da er sich seit l\u00e4ngerer Zeit mit der Direktor \u00fcberworfen hatte da\u00df er aber auch mich gehen lassen will, hat mich recht schmerzlich ber\u00fchrt, nicht allein die Aussicht auf Engagementslosigkeit, bei meiner Familie sehr zu bedenken, sondern haupts\u00e4chlich, wie du wohl f\u00fchlst, der kr\u00e4nkende Gedanke, zum erstenmal in meinem ganzen Leben bei meinem Namen in der B\u00fchnenwelt, bei dem Bewu\u00dftsein der T\u00fcchtigkeit in meinem Fach, wegen lausiger paarhundert Thaler gek\u00fcndigt zu werden.&#8221; Und so war er thats\u00e4chlich am 1. August 1845 ein &#8220;freier Mann.&#8221; Mit seinem &#8220;Wildsch\u00fctz&#8221; hatte er sich am 30. Juli 1845 von dem Leipziger Publikum, das in seiner Verehrung nicht glaubte von ihm lassen zu d\u00fcrfen, verabschiedet Kam es doch zu einem f\u00f6rmlichen Theaterskandal gegen regie und Direktion im Stadttheater. Bei diesen Dem\u00fctigungen sollte es aber nicht bleiben. Seine bewerbungen um Kapellmeisterstellen in Berlin und Darmstadt wurden gar nicht beantwortet, was nat\u00fcrlich nur geeignet war, seine Verbitterung zu steigern. &#8220;Es geht mir&#8221; &#8211; so schrieb er im Oktober 1845 an D\u00fcringer &#8211; &#8220;aber auch nicht schlecht, denn ich hungere noch nicht mit den Meinigen, und so lnge der deutsche Komponist &#8211; wenn er nebenbei Renommee hat &#8211; das noch von sich sagen kann, ist er immer noch zu preisen und mu\u00df er sein Vaterland immer noch hochsch\u00e4tzen. Die Honorarchen, welche man etwa noch zu empfangen h\u00e4tte, laufen zwar sparsam ein und man mu\u00df hin und wieder ein papierchen &#8211; in besseren Zeiten gewonnen &#8211; versilbern, das thut wehe; indessen es mu\u00df sein, denn woher nehmen und nicht stehlen?&#8221; Wie wenig halfen ihn seine Opern, die, wenn auch allenthalben mit gro\u00dfem Erfolg aufgef\u00fchrt, dennoch fast durchgehends schlecht und teilweise sogar nicht honoriert wurden; wie sehr m\u00fcssen wir seine Verbitterung mitmpfinden, wenn wir ihn klagen h\u00f6ren, da\u00df der verleger seines &#8220;Czaaren&#8221; im Jahre 1846 (also in acht Jahren) die achte Auflage gemacht habe, wof\u00fcr ihm im ganzen vierzig Friedrichsdor gezahlt worden seien. Charakteristisch f\u00fcr seine Stimmung ist auch folgender Brief, den er unterm 21. Oktober 1845 an Reger schrieb: &#8220;Wenn der gewisse Posa sagte: &#8216;Das Leben ist doch sch\u00f6n&#8217;, so war der Mann gewi\u00df nie au\u00dfer Engagement, oder er hat privatverm\u00f6gen gehabt, denn mit allem Respekt or jenem K\u00fcrassier, ich m\u00f6chte dies Leben doch stellenweise manchmal f\u00fcr ein anderes geben. Ins Theater komme ich gar nicht; es ist mir, als geh\u00f6rte ich nicht dahin oder die menschen betrachteten mich mit mitleidigen Blicken, indem sie fragen m\u00f6chten: &#8216;Du armer Teufel treibst dich ja noch immer ohne Engagement herum!&#8217; Die Orchestermitglieder und andere Leute, die mich fr\u00fcher &#8216;Herr Kapellmeister&#8217; titulierten, geraten in Verlegenheit, wenn sie mich begr\u00fc\u00dfen: &#8216;Ah, guten Tag, Herr &#8211; &#8216;, der Kapellmeister, meinen sie, geb\u00fchre mir nicht mehr und mich schlechtweg wie fr\u00fcher zu nennen, f\u00fcrchten sie, mich zu beleidigen. Das sind alles nur L\u00e4cherlichkeiten, sie wecken aber unangenehme Reflexionen, drum ist es besser, man erwehrt sich hrer. Das Gewandhaus ist der einzige Ort, den ich besuche, um doch dann und wann wieder Musik zu h\u00f6ren; aber auch da ist man \u00f6fters einer menge Fragen ausgesetzt, die einen unangenehm ber\u00fchren!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Und unter solchen Empfindungen arbeitete Lortzing an seiner n\u00e4chsten Oper und mu\u00dfte sich, um leben zu k\u00f6nnen, nebenher, Tag und Nacht arbeitend, mit Notenabschreiberei besch\u00e4ftigen. Ein &#8220;Gro\u00dfes Vokal- und Instrumentalkonzert&#8221; im Theater brachte ihm um jene Zeit, am 29. November 1845 zweihudnertsiebzig Thaler. Ein Engagementsantrag nach K\u00f6nigsberg i.Pr. auf eine Spielzeit lohnte nicht; zu Ringelhardt nach Riga, der Lortzing gern wieder bei sich gehabt h\u00e4tte, war es zu weit. Eine Beerbung seines alten Berliner Onkels von 1500 Thalern brachte ihn wieder etwas auf die F\u00fc\u00dfe. Die Erstauff\u00fchrung der &#8220;Undine&#8221; den 4. M\u00e4rz 1846 in Leipzig hatte vollen Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz wechselnder Stimmungen, trotz vieler Gastspiel- und Konzertreisen, sowie sonstiger Widerw\u00e4rtigkeiten aller Art beendete er noch im letzten Leipziger Jahr den Waffenschmied.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>*Friedrich Heinrich Karl Baron de la Motte Fouqu\u00e9, als Sohn einer Emigrantenfamilie am 12. Februar 1777 zu Brandenburg geboren, verfa\u00dfte, ein Hauptvertreter der romantischen Schule, zahlreiche dramatische Spiele, Romanzen, Lieder und Erz\u00e4hlungen und starb, zuletzt von seinem G\u00f6nner Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin berufen, daselbst am 23. Januar 1843. Als die Perle seiner Dichtungen gilt eben die 1811 in Berlin erschienene \u201cUndine\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">07 &#8211; Gustav Albert Lortzing &#8211; Waffenschmied \u203a<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Undine. 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